Abziehen des inneren Mitnehmers

      Noch einmal ich, um die Schweißereifragen langsam zum Abschluß zu bringen.

      Ich habe also voller Neugier auf das Kaltschweißen von Gußeisen Lieblingsschweißer Nr. 2 befragt, der früher auch Landmaschinenschlosser war und insofern als Schweißfachkraft mit Theorie und Praxis gerade auch bei Motorenteilen vertraut ist (hätte ich auch eher machen können...). Er schweißt in letzter Zeit übrigens immer mal wieder für Fremdkunden kleine Serien von Gußgehäusen. Die Antwort lautet wie bei Radio Jerewan: Im Prinzip ja, aber... . Das Kaltschweißen von Guß ist nicht generell ein Problem, jedoch sind die entstehenden Materialspannungen. Je gerader und dünner die zu schweißenden Stege sind, umso schlechter bauen diese sich beim Erkalten ab. Im ärgsten Falle heißt das nichts anderes, als das die eben aufgeschweißten Stege schon beim Abkühlen reißen oder nach kurzer Betriebszeit, was nun beides nicht gerade gut wäre. Aus seiner Erfahrung würde der Schweißer bei Zylinderköpfen und -blöcken aufgrund der allgemeinen Beanspruchung im Betrieb eher zu einer Schweißung mit Vorwärmung tendieren. Nach vielen Gedanken hin und her durch allerlei Schweißverfahren bleibt also übrig, daß es wohl wirklich auf den Versuch ankommt, jedoch günstigerweise mehrere Verfahren zur Auswahl stehen, so daß man bestimmt davon ausgehen kann, stark ausgezehrte Köpfe aufarbeiten zu können. Sollte sich jemand weiter mit der Materie befassen (müssen) und praktische Erfahrung sammeln, so wäre es sicher im Sinne dieses Forums, wenn diese hier mitgeteilt würden, schließlich werden die noch eingesetzten Gußeisenköpfe selbst im geruhsamen Oldtimerdasein nicht jünger und mehr werden es auch nicht... .

      Es grüßt der Karl aus Cranzahl.

      Wen noch etwas hierzu interessiert, so sei bspw. weldit.de empfohlen.
      Hallo Karl,

      nun bin ich eine Weile nicht hier inne gewesen und dabei war es so interessant!
      Ich habe es gerade verschlungen...
      Inzwischen habe ich mir einen Kopf aus Alu und einen aus Guss gekauft. Leider haber ich erst zu spät gesehen das der Gusskopf einen Haarriss hat. Nun werde ich also den Alu-Kopf nehmen. Er ist jetzt gestrahlt und wird dann noch geplant.
      Sollte ich nach dem planen den Kopf auslitern und bei zu hoher Verdichtung 2 Dichtungen unterlegen?

      Grüße von Misi aus Dresden
      MihalyRichter.de
      Hallo Misi,

      ich hoffe, Du hast zum Strahlen Abdeckungen für die Dichtflächen angebracht, ohne kann das verflixt ins Auge gehen. Das Alu ist sehr weich und wenn der Strahlemann gründlich draufhält, wäscht es Dir derartige Dellen in die Flächen, daß Du viel zu viel Material abnehmen mußt, um alles wieder plan zu kriegen. Zwei Kopfdichtungen würde ich niemals machen, weil das wohl kaum so richtig dicht zu kriegen sein dürfte. Außerdem hätte ich dann Bedenken, inwieweit sich die Dichtungen im Betrieb immer wieder setzen und dadurch ständig der Kopf locker wird (und damit wiederum undicht). Ich finde jetzt gerade nicht die zulässige Toleranz beim Auslitern (was ich an Deiner Stelle aus lauter Neugier ruhig mal machen würde), aber bei 76mm Bohrungsnennmaß machen 0,5mm Materialabnahme erstens bloß ~2,3ml aus. Zweitens wäre zu bedenken, daß originalerweise der F8 mit 1:25 gefahren wurde zu einer Zeit, wo in Sprit und Öl alles Mögliche drinne war. Dementsprechend findet sich in den einschlägigen Handbüchern auch eine Anleitung zum Abschaben von Ölkohle bei auffällig stark klingelnden Motoren trotz korrekter Einstellwerte. Wenn man DDR-Bilder betrachtet, so sieht man oftmals bei Tankstellenaufnahme die Bezeichnung VK79, wer weiß wie weit runter in den 50igern die Oktanzahl noch gegangen ist, derartig wenig Oktan mit ensprechend hoher Klingelneigung gibt es heute gar nicht mehr, ganz zu schweigen davon, daß heutige Kraftstoff-Öl-Gemische weniger stark Ölkohle bilden und außerdem üblicherweise auch nicht mehr 1:25 sondern je nach Kurbelwellenausführung 1:33...1:50 geht. Faßt man also jetzt die ganze Therorie zusammen, so ergibt sich, daß unter heutigen Verhältnissen beim F8 einige Reserve für das Planen des Kopfes da sein dürfte und außerdem, ehe die Kurbelwelle wegen übermäßiger Kompression auseinanderfällt oder der Dynastart den Motor nicht mehr durchgedreht kriegt, klingelt er ja erst mal noch unverschämt ;) . Ich würde also die erhältlichen Kopfdichtungen vergleichen und nicht gerade die allerdünnste nehmen, wenn aber nun nicht zu viel Material vom Kopf runter genommen wurde, dann sollte das schon gehen. Im Betrieb merkst Du dann spätestens, wie gut. Sollte es dort wirklich unüberwindliche Schwierigkeiten geben, so kannst Du allemal den Kopf entweder noch mal gegen einen anderen tauschen oder im ärgsten Falle eine extra dicke Kopfdichtung machen lassen (das geht, mußt mal googeln bei Tuningbetrieben z. B.). Es grüßt

      der Karl.
      Hallo liebe Leut',

      manchmal lohnt sich doch das Lesen von Zeitungen, in der Oldtimer-Markt 11/2015 hab ich grade auf der S.230 untern rechts einen Link gelesen, wo es um die sogenannte "Coldspray"-Technik geht- Damit ist klar, daß sich auch noch andere Leute mit dem spannungsfreien Materialauftrag auf Zylinderköpfe befaßt haben und unsere ganzen vielen Überlegungen vielleicht gar nicht nötig waren. Wer also Bedarf hat, der gucke mal unter ms-motorservice.de nach und klicke sich zu Coldspray durch, klingen tut's erst mal ganz gut, wenn's auch noch funktioniert, wär's prima,

      der Karl.