Wasseranschluss am Zylinder

      Hallo Jebi,
      der Kolbenbolzen soll sich im Pleuel drehen, deswegen ist dort auch das Lager Pos. 3 auf obigem ET-Katalog-Bild drin. Dieses Lager mußt Du nun erst einmal ausmessen / prüfen: 1. Ob noch rund und 2. Welcher Durchmesser. Im Kolben selber sollen die Kolbenbolzen fest sitzen, in der Pleuellagerbuchse 0,02mm Spiel haben. Mit einer verstellbaren Reibahle in eingebautem Zustand als absoluter Neuling zum ersten Mal eine Bohrung zu einem vorhandenen Bolzen mit 2/100 Spiel aufzureiben (ohne Rattermarken!) ist schon ein wenig mutig, ganz zu schweigen davon, daß man beide Seiten ja auch erst einmal messen können muß. Mit Gefühl und etwas Pragmatismus ausgedrückt, sind 2/100mm Spiel in einer Lagerstelle so, daß sich der Bolzen (hauchdünn mit WD40 oder ähnlich dünnflüssig eingeölt) ganz leicht drehen und schieben läßt, aber keinerlei fühlbares Spiel aufweist. Nun gibt es aber eben auch noch die Preßsitze des Kolbenbolzens im Kolben. Die sind umgekehrt, hier sollten die Bolzen etwa 0,015...0,02 größer als die Bohrung im Kolben sein. Deswegen soll ja der Kolben auch zur Bolzenmontage angewärmt werden und nur so ist sicher zu stellen, daß die Bolzen dort wirklich fest sitzen und jede Bewegung nur in der dafür vorgesehenen Lagerstelle im Pleuel passiert. Durch die lange Betriebszeit der Kolben kann es aber leicht vorkommen, daß die Kolbenbohrungen "gewachsen" sind und die Kolbenbolzen bereits dort im recht weichen Alu Spiel haben und Geräusche machen. Solltest Du nun feststellen, daß die Pleuellager noch ganz gut sind, aber die Kolben schon Luft haben, kannst Du mit etwas Glück auf die Übermaßbolzen und damit auf die ganze Reiberei verzichten. Spürbar dolle klappern sollten die Bolzen in den Kolben natürlich nicht, aber eben zu leicht und locker sitzen. Dann kannst Du die beiden Bereiche des Kolbenbolzens mit Kolbensitz mit einem Elektrographen (Maschinenbaubetriebe sollten so was haben) gleichmäßig "aufbrutzeln". Dieses Verfahren schafft durchaus einen deutlichen Durchmesserzugewinn. Eine Seite tust Du anschließend mit feiner Leinewand (am besten in der Drehbank / Akkuschrauber...) so weit wieder abziehen, daß es gerade so durch ein notfalls auch bissl angewärmtes Pleullager wieder durchpaßt, noch mal gucken, ob möglichst beide Seiten wirklich wieder sitzen im Kolben, Montagerichtung festlegen und eventuell zu viel aufgetragenes auch auf der dicken Seite rundlaufend entfernen. Dann den Kolben schön warm machen und mit der dünnen Seite zuerst montieren und fertig. Das Schöne ist hier, daß alle Späne außerhalb vom Motor bleiben und sämtliche Bearbeitung an ausgebauten Teilen erfolgen kann ;) . Viel Spaß mit einer weiteren Möglichkeit,

      der Karl.
      Hallo alle zusammen,
      wie groß ist denn das Problem mit den Übermaßkolbenbolzen bzw. deren Beschaffung, es ist ja ganz wunderbar, daß beim Bastelopa so ziemlich alles im Fundus liegt, aber erstens wird der auch mal alle und zweitens kann er ja nicht alles weggeben. Ich habe im Netz bloß eine ganz einfache Skizze gefunden von den Kolbenbolzen: Ø15x65, beidseitig 30 tief aufgebohrt mit Ø9,5. Leider habe ich keinen Bolzen lose da. Wenn es wirklich ein echtes Problem ist, an solche Bolzen zu kommen, dann machen wir uns welche, das ist vstl. kein großes Problem. Dazu bräuchte ich allerdings ein Musterteil von irgendwoher (kann auch zurückgegeben werden). Prinzipiell würde ich für diesen Fall vorschlagen: Material 1.2343 (bei Abrams 23,87€/1m + Märchensteuer + Versand..., dürfte 6...7 Bolzen geben, wenn sich's der Dreher einfach macht, mit gutem Willen läßt sich die Stange auch komplett aufbrauchen), das ist ein enorm zäher Werkzeugstahl der nicht extrem hart verwendet wird. Diesen gibt es als Rundmaterial mit Schleifaufmaß in Ø15,5. Fertigung wie folgt: Bolzen plandrehen, außen anfasen, innen auf Ø9,5 bohren (haben die Bohrungen einen kegeligen Grund oder sind sie plan?) und eine 60°-Fase als Zentrierung innen anbringen, abstechen (gleich auf Länge, die ist dem Reparaturhandbuch nach eher untermaßig, weil dort von eventuellem Nachschieben bei außermittigem Bolzensitz die Rede ist), in zweiter Spannung (möglichst in Spannzange oder auch gutem Futter) außen anfasen, innen wieder Ø9,5 mit 60°-Fase. Anschließend härten lassen auf HRC48+4. Sodann hätten wir Rohlinge, die halbwegs vernünftiges Ausgangsmaterial vorausgesetzt, sich auf so ziemlich jeden Durchmesser kleiner / gleich 15,3mm schleifen lassen, wobei man vorher günstigerweise die Wunschdurchmesser wissen sollte, das der Schleifer nicht mehrfach anfangen muß. Zeichnung kann ich machen, organisieren geht mit bissl Geduld auch, ob es möglich ist, einen Schwung Rohlinge zu machen, die bei Bedarf geschliffen werden, muß ich erfragen.

      Noch was zum verkalkten Wasserhahn: Bei meinem Block kam aus dem Hahn auch nichts, alldieweil der zwar frei, aber dahinter der Block völlig zu war mit Rost und Kalk. Zum Schluß habe ich ein 3/4 Gurkenglas zu 500g von Hand an Zeug aus dem Block gekratzt, insbesondere die Kühlkanäle um die Auslaßkanäle herum waren völlig zu. Keine Ahnung, wie das Auto damit bis zum Schluß fahren konnte ohne zu kochen oder zu klemmen. Zum krönenden Abschluß habe ich für alle bearbeiteten Bereiche Gummidichtungen und Aludeckel gemacht und habe den Block, soweit irgend von außen ranzukommen war, noch mit Gefühl ausstrahlen lassen. Jetzt ist er wieder sauber und es hat auch nichts Schaden genommen.

      Soweit, schöne Grüße aus Cranzahl,

      der Karl.
      Hallo Karl,
      also ich wäre bei einer Nachfertigung dabei. Ich kann auch einen Bolzen bereitstellen, komme aber erst Weihnachten zu meiner Teilesammlung, wo ich auch noch eine Reihe Gebrauchtkolben mit Bolzen habe.

      Bin mal gespannt, wie der Wassermantel aussieht. Ich hatte diesen Motor zu Beginn der Restaurierung, also vor etlichen Jahren, von einem Spezialisten machen lassen. Hab leider keine Einzelteile des Motors vor dem Zusammenbau gesehen. War denn das Zeug noch irgendwie weich, was du rausgekratzt hast oder steinartig?

      Gruß Jens
      Hi Jebi,

      Bei mir war es damals eine Mischung aus Schlamm und auch feste kristallartige Ablagerung. Hat eine ganze Weile gedauert, das Zeug rauszufischen. Wohlgemerkt auf der Werkbank, unter ständigen Drehen und Wenden des Zylinders. Macht ordentlich Dreck....

      Aber zu den Kolbenbolzen nochmal : ich glaube fast man sollte hier nicht übermäßig Teile austauschen, wenn dieses nicht unbedingt erforderlich ist. Die Autos stammen aus schlechten Zeiten und nicht immer waren wirklich neue Teile da.



      Mal so zum Nachdenken eine Story :

      Da gab es mal einen sehr peniblen Zeitgenossen dem nichts gut genug war. Es musste eine neue Kurbelwelle eingebaut werden und auch neuen ( überarbeiteten ) Kolben und Zylinder. Die Masse und Toleranzen waren schon im 100stel Bereich.

      Nur das Beste vom Besten kam zum Einsatz.

      Das Ende vom Lied : dieser nette Zeitgenosse blieb ständig mit Kolbenklemmer und letztendlich mit enorm schleifender Kurbelwelle liegen....

      Der Schaden war enorm, und mit viel Geld und Technik kann man auch nicht alles richtig machen.

      Manchmal sollte man einfach mit einigen kleinen „Macken“ ( wenn alles andere funktioniert ) leben. Zu Deutsch, etwas mehr Spiel ist nicht weiter schlimm. Zuwenig Spiel wäre dann weitaus gefährlicher.

      Gruß Tom


      das sollte eine Signatur sein


      Hallo Tom,
      da hast du sicher recht. Beim ersten Probelauf hatte ich allerdings ein lautes, klopfendes Geräusch. Habe das Video an einige geschickt und die Diagnose war Spiel am Kolbenbolzen. Ich hätte wahrscheinlich die ersten Probefahrten so gemacht aber nun kam noch die Verstopfung dazu. Deshalb werde ich wohl den Zylinder ziehen und nachsehen.
      Gruß Jens
      @ ifadkw,

      in eigener Sache: wenn man hier oben im Forum unter „Suchen“ das Wort „Kolbenbolzen“ eingibt, kommt man tatsächlich auf diese Seiten. Habs gerade Probiert.

      Manchmal aber vermischen sich die Themen wenn man vom 100sten zum 1000sten kommt.

      Gruß Tom
      das sollte eine Signatur sein