Rahmennummer 4-stellig

      Rahmennummer 4-stellig

      Bin auf ein Rahmen gestoßen bei EBAY mit Nr:


      eBay-Artikelnummer:
      263743089534
      Vor einiger Zeit fragte ich nach ,wo die 4-stelligenRahmennummern herstammen?Mein IFA F8 hat auch 4-stellige Rahmennummer,allerdings im Rahmen durch das Frontgrill geschaut unten in der Mitte.Wohl Vorkriegsrahmen????
      Die Antwort muß ich wegen Überlänge teilen.
      Teil 1:

      Hallo IFA,da die Fahrgestellnummernfrage mit schöner Regelmäßgkeit auftaucht, versuche ich mal, das Thema etwas ausführlicher abzuhandeln. Ergänzungen / Korrekturen sind mir in sachlicher Weise sehr willkommen, da ich versuche, dieses bisher in kraftfahrzeughistorischer Sicht sehr stiefmütterlich und teils herablassend behandelte Thema aufzuarbeiten, was aufgrund der Quellenlage sich als außerordentlich schwierige Sisyphusarbeit herausgestellt hat.Vorkriegsnummern stehen auf der Federbrücke vorn und sind 7-stellig. Die erste Zahl verklausuliert hier den Fahrzeugtyp. Näheres dazu siehe Thomas Erdmann/ DKW-Automobile 1907-1945. IFA-Nummern stehen auf dem Rahmenausleger vorn Beifahrerseite und sind aufgebaut wie folgendes Bsp. (wild aus der Luft gegriffen, die Sterne stehen auf dem Rahmen, aber üblicherweise nicht in den Papieren!): F8P*15501*, das heißt ein F8 Personenwagen mit der Nummer 15501, also der 15501. F8 ab Werk Audi. Näheres hierzu steht am ehesten bei Jürgen Lisse/Fahrzeuglexikon Trabant 2. erweiterte Auflage. Steht statt dem P ein L, so ist es ein Lieferwagen, steht ein E, so handelt es sich um einen Ersatzrahmen. Diese waren normal zu beziehen z. B. über die DHZ für diejenigen, die eine Berechtigung dazu hatten (siehe weiter unten im Text). Zwischen den Sternchen wurde bei diesen Rahmen Platz gelassen, um die jeweilige Nummer einzuschlagen. Die ganzen 4-stelligen Nummern sind sog. Polizeinummern. Daraus ergibt sich folgendes: Steht mehr oder weniger zwischen den Sternchen eine 5, 6 oder gar 7-stellige Nummer, so hat das Fahrzeug im Laufe seines Autolebens einen Ersatzrahmen erhalten unter Weiterverwendung der alten DKW- oder IFA-Nummer (bei 6 Stellen Typnummer von DKW weggelassen), stehen dort nur vier Zahlen, so wurde dem Ersatzrahmen eine neue Nummer zugeteilt. Eigentlich fehlt zu diesen vier Stellen noch die Angabe des ausstellenden Polizeireviers, die vier Zahlen sind nur quasi die laufende Nummer, die zumindestens teilweise in Form der letzten oder der letzten beiden Zahlen auch das Ausstellungsjahr enthalten, im Falle der 7489 des ebay-Rahmens ist das offensichtlich nicht oder nur in Bezug auf die letzte Zahl so gehandhabt worden. Da hier ein Brief vorhanden ist, sollte man eventuell an dessen Ausstellungsjahr etwas erkennen können. Ist dort eine Erstzulassung / Ausstellungsjahr 1959 vermerkt, so könnte dies auch dem Einschlagjahr der Rahmennummer entsprechen. Achtung, Kfz-Briefe wurden in der DDR erst ab 1957 ausgegeben und beim Umschreiben nach der Wende wurde dort oft das Jahr der Erstzulassung draus! Eine vollständige DDR-Polizeinummer lautet 33T3355 = 33. Polizeirevier im Bezirk Karl-Marx-Stadt, laufende Zuteilung 33 im Jahr 1955. Hier eine Frage: Hat jemand eine Aufschlüsselung über die damaligen Polizeidienststellen und deren Nummern? Achtung wiederum: Die Bezirksbuchstaben wurden erst 1953 überhaupt eingeführt mit den „neuen“ DDR-Kennzeichen, ob also vorher und wenn ja wie eine solche Kennung der ausstellenden Behörde überhaupt erteilt wurde, ist unklar. Daher können einfache vierstellige Nummern auch durchaus vor 1953 Standard gewesen sein. Wie hier allerdings Doppelvergaben vermieden wurden oder ob wegen dieser die Dienststellenkennzeichnung erst eingeführt wurde, ist offen. Weiterhin sind nicht nur vom Werk Ersatzrahmen geliefert worden, sondern es gab darüber hinaus auch, soweit mir momentan bekannt, wohl generell einen planmäßigen Neuaufbau von (DKW-) F8-Fahrzeugen. Ich gebe mein jetziges Wissen mal unter gewissem Vorbehalt weiter, da der Nachweis anhand Quellen etwas schwierig ist, ich arbeite aber daran. Zur Regenerierung zumindestens teilweilweise verwendungsfähiger F8-Rahmen gab es auch Rahmen-Einzelteile ab Werk / DHZ. Bei dafür zugelassenen Werkstätten wurden damit DKW oder überhaupt F8 aus Einzelteilen ohne ein Ausgangsfahrzeug neu aufgebaut dem jeweiligen aktuellen Serienstand der IFA F8 ab Werk entsprechend.
      Teil 2:
      Die dafür erforderlichen Teile wurden aus den Planbeständen der DHZ oder vermutlich auch des Werkes Audi bei Genehmigung des Neuaufbaus (Antrag beim jeweiligen Rat des Kreises und Entscheid durch diesen, für gesellschaftliche Bedarfsträger (=VEB, Behörden, Krankenhäuser…) und bevorzugte Personen (Sportler, Parteikader, politisch korrekte Prämienempfänger für absolut überdurchschnittlichen Arbeitseifer… ) zugewiesen. Daneben ist es sicherlich üblich gewesen, mit derartigen Teilen oder unter Verwendung von Teilen aus mehreren teilbeschädigten Rahmen diese zu regenerieren. Zieht man weiterhin heran, daß bspw. allein von KWD bis 1953 fast doppelt so viele F8-Häuschen gebaut wurden wie komplette Fahrzeuge in Zwickau, so dürfte klar sein, daß auf diese Weise viele quasi neue F8 auf Basis einiger alter Teile, diversen neuen Ersatz- bzw. Einzelteilen und eben einem neuen Häuschen entstanden sind. Ebenso dürfte es aufgrund unklarer Eigentumslage eines eventuell vorhandenen Basisfahrzeuges sinnvoll gewesen sein, manche vielleicht noch vorhandene Fahrgestellnummer nicht weiter zu verwenden nach einem Neuaufbau / Neubau in Eigenregie; bis dahin, daß Neubauten eben komplett aus Einzelteilen ohne Basisfahrzeug entstanden sind. Für alle diese Fälle zusammen ist also die Erteilung von Fahrgestellnummern durch die jeweilige Polizeidienststelle nötig gewesen und für genehmigte Neuaufbauten auch möglich und üblich. Da die Kapazität des Werkes Audi für die Neufertigung von F8 dem tatsächlichen Bedarf bei Weitem nicht entsprechen konnte, ist hiermit ein zweiter Weg zur Versorgung der DDR mit Kfz beschritten worden, bei weitem länger, als F8 neu gebaut wurden (z.B. offizielles Ende Produktion Ersatzkarossen F8 Kombi 01.07.1964!). Bereits die Erlaubnis, sich einen dringend benötigten F8 selbst aufbauen zu dürfen und dafür erforderliche Teile zugewiesen zu bekommen, dürfte damals einem Hauptgewinn gleichzusetzen gewesen sein, ganz zu schweigen von einem kompletten Neufahrzeug ab Werk. Allein aufgrund der schieren Menge der so entstandenen Fahrzeuge, ebenso aufgrund des Umstandes, daß die Montage bzw. Komplettierung derartiger F8 üblicherweise aufgrund deren „Kostbarkeit“ nach damaligen Maßstäben mit allergrößer Sorgfalt ausgeführt wurde, bitte ich dringend davon Abstand zu nehmen, derartiges festzustellen und gleich zu rufen: „Och, wieder so eine Bastelbude!“ oder sogleich ganz genau wissend festzustellen, daß dieses oder jenes „nicht original“ sei. Bei all dem damaligen Mangel und hohen Wert eines „neuen“ Kfz darf nicht vergessen werden, daß es sich um die Erzeugung eines Gebrauchsgegenstandes mehr oder weniger in eigener Verantwortung handelte und damit auch ein gewisser Pragmatismus einherging, ebenso wie die Verwendung gerade zum jeweiligen Zeitpunkt erhältlicher/üblicher Teile. Nehmen wir als Beispiel einen F8, der, sagen wir 1960, aus Einzelteilen entstand. Kann man bei einem solchen Fahrzeug über die verwendeten Rücklichter streiten und verlangen, daß dort aber unbedingt die kleinen ovalen bzw. runden Exemplare ranmüssen und vorne die Blinker ähnlich VW Käfer? Ist es nicht vielmehr wahrscheinlich, daß damals, ehe man solche bereits veralteten bzw. schwer beschaffbaren Teile sucht, genommen wurde, was der Ersatzteilhandel bereithielt, also etwas vom P70 oder vom Wartburg 311, erst recht, wenn der Blinker mittlerweile den Winker verdrängt… . (Streng genommen wären dann die kleinen ovalen/runden Rücklichter an so einem F8 eben gerade nicht original, weil er sagen wir mit Schiffchen vom W311 in Fahrt gekommen ist.) Am Ebay-Rahmen kann als solches Bsp. für Pragmatismus die wirklich saumäßig schlecht erkennbar eingeschlagene Rahmennummer dienen, gleichfalls gibt es auch alle möglichen und unmöglichen Stellen, wo in solchen Fällen die Nummer eingeschlagen wurde. Je nach Fertigstellungsgrad zum Zeitpunkt der Nummernzuteilung kann das durchaus auch irgendwo auf der Unterseite des Rahmens sein (siehe Beitrag von „oldibauer“ hier im Forum von 2013)! Und neben all dieser nennen wir es mal mehr oder weniger „individuelle Parallelproduktion“ von F8 kommen dann noch die Neuaufbauten von vorhandenen Altfahrzeugen OHNE neue Nummer hinzu. Aus so etwas rühren dann die vielfach bekannten F8-Fahrzeuge mit teilweise Uraltbaujahren, wo sich kaum noch eine originale Schraube dran befinden dürfte. Um einen völlig unbeherrschbaren Verbrauch von Ersatzteilen zu vermeiden, mußte für so etwas lange Zeit noch ein Neuaufbau beantragt werden. Andererseits wurden die Genehmigungen dafür trotzdem erteilt, weil Autos nun einmal absolute Mangelware waren. So ist Mitte der 60’er Jahre sogar die Neufertigung von einigen F9 aus vorhandenen Teilen im Rahmen der Konsumgüterproduktion angeordnet und ausgeführt worden oder sind solche Autos entstanden wie ein mir bekannter „F578“, offiziell Bj. 1934 (!). Der F5 wurde überhaupt erst im Februar 1935 vorgestellt. Was auch immer das nun war, es wurde 1966 für dieses Fahrzeug die Genehmigung erteilt, einen Umbau auf F7 durchzuführen, mithin war also ein neuer/anderer Rahmen fällig. Und bei dieser Gelegenheit bekam das Auto gleich noch ein F8-Häuschen samt Vorbau und Front verpaßt. Man beachte: 1966 war ein damals lt. Papieren 32 Jahre altes Auto, mithin 2 Jahre über Erteilung des H-Kennzeichens nach heutigem Maßstab, noch genehmigungspflichtig für einen Neuaufbau und wurde solche Arbeit in Angriff genommen mit dem Ziel, ein betriebstaugliches Alltagsfahrzeug zu erhalten, keine notdürftige Bastelbude! Vom jahrzehntelangen Reparieren und Erhalten vorhandener Fahrzeuge über das Aufarbeiten vorhandener Teile und Ergänzen um einige Neuteile/regenerierte Teile zu einem kompletten Fahrzeug bis zur Montage von ganzen Fahrzeugen aus überwiegend bzw. die wesentlichsten Baugruppend betreffend Neuteilen hat also in stückzahlmäßig die Neufertigung von IFA F8 vermutlich ebenbürtigem, eher noch überschreitendem Umfang eine „Herstellung“ von F8 stattgefunden, in deren Zusammenhang die ganzen vierstelligen Rahmennummern einzuordnen sind. Damit kann, aber muß nicht, die Vermutung Vorkriegsrahmen bei vierstelligen Nummern ganz oder teilweise durchaus zutreffen, die Nummer selbst ist Nachkrieg.