Meine Baustelle

      Hallo,
      ​ich bekam damals die Empfehlung, das Holz mit Leinölfirnes zu behandeln. Bei den Innenhölzern sollte das schon reichen. Alles im Unterbereich kann man anschließend mit Chassislack streichen. Ich habe gute Erfahrung mit Brantho-Korrux. Im Unterbereich habe ich alles 3 mal gestrichen und dazu schwarz-grau-schwarz abgewechselt. Der selbe Lack geht dann auch für die Metallteile wie Achsen und Radaufhängungen.
      Gruß Jens
      Hallo MZALEX,

      jetzt muß ich doch mal bissl klugscheißen ;) . Leinölfirnis ist ein ganz wunderbares Zeug und Brantho-Korrux auch, aber ganz so kann man das alles nicht stehen lassen. Selbstverständlich kann man Brantho-Korrux auch auf Holz streichen, aber es ist nun einmal ein reiner Metallanstrichstoff und dürfte seinem Einsatzzweck nach für Holz alles andere als ideal sein. Man nimmt diese Farbe insbesondere für Stahlbauteile mit maximal leichtem (!) Rost. Auf solchem Untergrund wird trotz Restrost eine hohe Haltbarbeit erzielt. Da diese Farbe keine Rostumwandler enthält, dürfte ihre Wirkung darauf beruhen, daß sie in hohem Maße abdichtend wirkt und so Sauerstoff und H2O den Zugang zum Stahl sehr wirksam erschwert. Genau das ist aber für ein Holz wenig optimal. Da Holz immer arbeitet (es ist ja vstl. nur die Außenseite beschichtet, also kann Luftfeuchtigkeit über die Innenseite noch aufgenommen werden!), werden sich in der Farbe zwangsläufig kleine Risse bilden, da für Stahl im Gegensatz zu Holz eine geringere Elastizität für die Farbe benötigt wird. Hier nun kann endgültig Feuchtigkeit eindringen ins Holz, aber sehr schlecht wieder heraus, weil es ja eine stark abdichtende Farbe ist und die Risse natürlich nicht mit der ganzen Holzfläche gleichzusetzen sind. Und Holz mit hoher Dauerfeuchtigkeit neigt nun einmal zum Faulen, ganz besonders dann, wenn es mit einer Stahlfarbe versiegelt wurde, in der zwangsläufig nichts weiter drinnen ist, was gegen Fäulnis und Holzpilze etc. wirkt.
      Leinölfirnis hingegen ist etwas ganz anderes, es ist "eingekochtes" Leinöl und braucht in dieser Form doch sehr lange zum Trocknen, zudem ist Firnis recht dick und kann damit nur schwer ins Holz eindringen, gleiches gilt übrigens für Rost! Dafür hat Leinöl aber die sehr angenehme Eigenschaft, beim Trocknen eine Art Polymer zu bilden, die hervorragend vor H2O schützt, ohne so richtig gasdicht zu sein. Man unterstellt einem Leinölanstrich im Allgemeinen eine gewisse Atmungsaktivität und es ist zudem hochelastisch. Deutlich verbessern läßt sich das Streichverhalten bei einfachem Firnis, indem man Halböl draus macht und selbigen 1:1 mit Terpentinöl / Terpentinersatz verdünnt. Ein mehrfacher Anstrich bis zur Sättigung (merkt man, das Material nimmt einfach kein Halböl mehr an, es dringt nichts mehr ein, zwischendurch immer trocknen lassen) ergibt auf Holz und Stahl und insbesondere auch auf Gußeißen einen enorm wetterfesten Anstrich, der, wenn einmal eine Sättigung erreicht ist nur selten erneuert werden muß, kostet auch nicht viel und ist was ganz schön altertümliches. Wir haben seit Jahren unter einem einfachen Dach eine alte gußeiserne Stanze draußen stehen, die sieht hervoragend aus, unsere ausgemusterte Eisenhartgußglocke aus der Kirche braucht wieder mal was, die steht aber wirklich voll in der Sonne und im Wetter. Für Holz ist die Wirkung wie gesagt auch echt prima, aber trotzdem zu verbessern, weil auch im einfachen Halböl gegen Pilze wirksame Mittel nicht drinnen sind, das Holz kann also, wenn man z.B. Risse nicht wirklich gründlich vollaufen läßt, trotzdem Schaden nehmen, wenn auch nach deutlich längerer Zeit. Die Wirkung von einfachem Halböl liegt deutlichst über allen baumarktüblichen selbst teuren Lasuren und ich ziehe selbiges mittlerweile deshalb vor, mein Lieblingsmalermeister übrigens auch im professionellen Bereich. Eine solche "veredelte" Ausgabe vom Halböl ist das Owatrol-Farbkriechöl, da ist auch noch was zum Holzschutz mit drinnen, ebenso wie man es hervorragend auf Stahlteilen verwenden werden kann. Das hübsche daran ist, daß es sich um einen auf Stahl sehr gut funktionierenden Holzanstrichstoff handelt, der zudem in Ehren gealterten (also trotzdem grundlegend gesäuberten!) Stahlteilen eine wunderbare altertümliche Optik erhält. Zu beachten ist bei Einsatz von Halböl wie Owatrol aber, daß man sich bei Stahlteilen als alleinigen Anstrichstoff auf den Unterboden beschränken sollte. Da die volle Wirkung erst bei Sättigung der Oberfläche da ist, hat man eine Schicht davon drauf. Die ist zwar dünn, neigt aber im Licht zum Vergilben. Bei richtigen Sichtflächen sieht das dann scheußlich speckig aus, was untendrunter so nicht spürbar ist. Und da diese Schicht wirklich sehr dauerhaft ist, bekommt man sie gerade von Lackflächen im Prinzip nicht wieder runter!!! So, nun höre ich auf, viel Spaß,

      der Karl.
      Hallo Alex,

      ich weiß gerade nicht ganz genau, was für eine Sorte F8 Du hast, ob es "bloß" die Limousine vom Bildchen ist oder noch was anderes. Solltest Du aber wie z. B. beim Kombi mit Stabholzaufbau Holz im Sichtbereich haben, dann würde ich Dir raten, ein Probebrett zu pinseln, ob Du dort mit Owatrol o.ä. zufrieden bist. Soweit mir bekannt und auch an meinem Kombi so vorhanden, ist Holz im Sichtbereich beim F8 lackiert gewesen, was natürlich bei einem vollrestaurierten (?) Fahrzeug vermutlich wieder so erwartet wird. Ohne Nacharbeiten ist Halböl / Owatrol nicht mehr als seidenmatt glänzend eher noch mit Tendenz zu matt und so viele Schichten wie ganz ganz früher mit Ölfarbe üblich, die dann ewig brauchen, bis sie durchgetrocknet sind und schlußendlich poliert werden können, wirst Du gewiß nicht machen wollen. Für untendrunter unter dem Kunstleder bzw. den Unterboden ist das aber sicher keine schlechte Wahl.
      Zum Wachs möchte ich auch noch meinen Senf dazugeben. Wir wohnen im doch sehr salzlastigen Erzgebirge. Vor zwei Wintern haben wir uns wegen Ankunft unseres 4. Kindes kurzerhand einen Jumper mit 9 Sitzen gekauft. Der war wirklich noch recht hübsch in Schuß und weil er nun die nächsten 100 Jahre halten soll und am sonst kaum geschützten und versiegelten Unterboden überall bei den ganzen angesetzten Blechteilen und an Achsen etc. sich der übliche Flug- und Kantenrost gerade angefangen hatte auszubreiten, habe ich nach einiger Überlegung gleich noch vor dem ersten Winter bei uns tief in die Tasche gegriffen, das Auto ausgeräumt und ihm eine Hohlraumkonservierung und einen Unterbodenschutz mit Mike Sanders verpassen lassen. Auch hat mir der freundliche Fett-Mann gleich noch ein großes Töpchen voll mitgegeben und geraten, mich mit der Heißluftpistole unters Auto zu legen und die gesamte Fettschicht noch mal einen Augenblick glänzend anzuschmelzen und eventuelle Fehlstellen nachzupinseln. Das habe ich artig gemacht und bin geradezu begeistert. Mike Sanders ist im Wesentlichen Wollfett ergänzt um einige mir unbekannte Ingredienzien, man kann's nun vielleicht nicht gerade auf die Bemme schmieren und verspeisen, aber giftig ist es nicht, im Gegenteil, es ist sogar sehr angenehm im Geruch und auf der Haut. Einzig ist nach dem 1. Winter im Bereich der Wagenheberaufnahmen hinter den Vorderrädern, die unmittelbar in deren Schußrichtung liegen, das Fett stellenweise abgewaschen worden. Ich hatte mir zwar vorgenommen, diese Stellen auszubessern, aber die hohen Sommertemperaturen und die daneben vorhandene Fettmenge hat ausgereicht, daß das Fett weich geworden ist und wieder von selber drüberkrabbeln konnte. Laut Herrn Sanders perönlich ist eine etwas rauhe Oberfläche wie eben leichter Flugrost sogar günstig, weil sich dort das Fett schön halten und durchkrabbeln kann. Fakt ist, Mike Sanders hat über zwei Jahre bei Alltagseinsatz in korrossionsfreudiger Umgebung bei einem Laternenparker den Unterboden perfekt geschützt und "repariert" Fehlstellen in gewissem Maße auch noch selber. Solche Eigenschaften sind laut Oldtimermarkt/-praxis-Korrosionsschutztest nur mit Fetten zu erzielen, weil den Wachsen das Aufschmelz- und Kriechvermögen bei Sommertemperaturen in diesem hohen Maße fehlt. Und weil ich das Zeug nun so mag, muß ich es Dir natürlich auch empfehlen ;) . Zu beachten wäre allerdings, das das Zeug eine Konsistenz wie dicke Butter hat und zum Verarbeiten erst einmal auf ~100°C gebracht werden muß. Wenn man nun pinselt statt zu spritzen, wird die Schicht recht dick und weil das im Hochsommer alles recht flüssig wird und anfängt zu krabbeln, tropft's auch gerne mal, was nicht jedem gefällt. Außerdem, Wunder kann das Fett auch nicht vollbringen. Bringt man es bspw. auf gerade noch haftende Farbe auf, die dann im Laufe der Zeit sich doch löst, ist natürlich außerhalb heißer Tage das Fett auch nicht im Stande, hinter solche Farbschollen zu kriechen. Wenn sich ein Riß auftut im Fett (Fettschicht dünn und Farbe löst und rollt sich bissl) dann rostet's natürlich dahinter, Rostschollen und lose Beschichtungen müssen deshalb in jedem Falle runter, aber bei frisch hergerichteten Teilen sollte das ja nicht passieren. Näheres zur Verarbeitung kannst Du ganz einfach beim Korrossionsschutzdepot nachlesen, wenn Du dort auf Mike Sanders klickst, gibt's eine pdf zu lesen mit allem Wichtigen.
      Nun wünsche ich Dir viel Spaß beim Fertigrestaurieren, wenn nur ich endlich auch so weit wäre...

      Es grüßt der Karl.